Kirschbaumblüten

Bevor allem anderen, bevor meine Erinnerung einsetzt, ganz am Anfang das ist ein Traum.

Ich sehe eine Frau, stehend an einem Fenster. Ihre Augen ruhen auf Wasser, blau wie der Himmel an einem wolkenlosen Tag, welches nicht weit entfernt glitzert. Sonnenstrahlen treffen auf ihr langes dunkles Haar und ein Lächeln spielt um ihre Lippen. Vollkommene Zufriedenheit scheint von ihr auszugehen, doch als sie sich mir zu wendet, scheint in ihren Augen sehe ich nichts als Sehnsucht zu liegen. Eine Sehnsucht die sie nicht zu stillen vermag, eine Sehnsucht von der sie nicht weiß wonach sie sich lechzt. Doch sie ist da und dort sind kleinenFalten um ihre Augen, die von unendlicher Einsamkeit stammen. Ich versuche auf die Frau zu zugehen, zu fragen was ihr widerfahren ist , doch der Traum schwindet, entgleitet an dieser Stelle. Er endet neben einer Wiege in der ein kleiner dunkelhaariger Säugling schlummert und einem stummen Flüstern. „Es ist gut, endlich ist alles gut.“

Das nächste woran ich mich erinnere ist der Geruch meiner Mutter, und ihr Lächeln. Sie war der Mittelpunkt meiner Kindheit, mein Fels in der Brandung. Wo auch immer uns der Wind hin verschlug, solange ich meine Mama hatte fühlte ich mich nie alleine. Ich wuchs auf mit Tieren, im Freien und wild. Lernt kleine Zirkustricks und wechselte andauernd die Schule. Nie hielt es uns lange an einem Ort.

Dann kam das große Feuer. Als ich erwachte, in unserem Wagen, drang der beißende Geruch von Qualm in meine Nase. Ich strampelte die Decke los und rannte nach draußen. Meine Mama und mein Dada standen mit Eimern vor den in Flammen aufgehenden Wagen meiner Tante.

Die Erinnerungen an diese Nacht sind schwach. Zu sehr war ich von Angst und Schrecken gelähmt. Das Einzige an das ich mich noch erinnere ist der fest Griff meines Onkel um mein Handgelenk und die Worte: „Lauf, lauf so schnell du kannst“.

Dann war alles schwarz. Als ich das nächste Mal zu Bewusstsein kam befand ich mich in einem Krankenhaus. Man erzählte mir später, dass ein älteres Ehepaar mich bewusstlos am Straßenrand gefunden hatte. Man fragte nach meinem Name und meiner Familie und man versprach mir, nach meinen Eltern zu fahnden. Ich nahm alles mit einem Schwachen Lächeln hin, doch ich sah sie nie wieder.

Man fragte, ob ich sesshafte Verwandte hätte und ich erzählte von meiner Großmutter. Sie heiratete ein zweite mal, außerhalb des Clans damals, folgte ihrem Mann in die Stadt. Man machte sie ausfindig und sie nahm mich auf.

Ich ging zur Schule, machte meinen Abschluss und versuchte mich dem Leben anzupassen, doch das Getümmel der Großstadt schien nie meine Welt zu sein. Ich sehnt mich nach einem freien Himmel und Felder auf denen ich wie wild rennen konnte. Zu einem Leben auf der Straße konnte ich nicht zurück kehren, dass wusste ich. Nicht mit meinen Clan unauffindbar.

So entschloss ich mich mein Glück woanders zu versuchen, meine Vergangenheit ruhen zu lassen.

Es verschlug mich ein paar Kilometer östlich auf eine kleine Farm, auf dem ich einem Bauern aus half. Das Leben dort war leichter als das in der Stadt und als ich genug Geld zusammenhalte entschied ich mich mir meinen eigenen kleinen Platz zu suchen.

Meine Wahl viel auf ein altes, winziges Haus in einer Gegend namens Hambington. Es ist noch recht einsam dort, doch die Felder und das Land erinnern mich an die Ungebundenheit meiner Kindheit.

Mein Name ist Mirela Tsura, doch in den letzten Jahren meines Lebens wurde ich meistens nur „Gypsy“ genannant. Denn das bin ich. Gypsy – Das Zigeuner Mädchen.

 

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